Aquarell Kreide

Nur mit dem Rechner zu hantieren war mir, trotz aller Möglichkeiten auf Dauer nicht genug. Der Umgang mit Farbe und Papier bietet sinnliche Reize, die man, nach einiger Zeit des Tastengeklappers, zu vermissen beginnt. Die momentane Befindlichkeit im Verbund mit der aktuellen Idee mittels einer spezifischen Farbe, ihrer Konsistenz entsprechend, auf eine Fläche aus individuellem Material zu realisieren, das ist ein nahezu unbeschreiblicher Vorgang. Dabei entstehen Geräusche und Gerüche. Ein Rhythmus beginnt sich zu entwickeln. Der ganze Körper ist involviert. Ein Tanz beginnt, an dessen Ende nicht nur ein erschöpfter Körper zurück bleibt, sondern auch unsichtbare Impulse für (fast) alle sichtbar geworden sind.
Stark strukturiertes Aquarellpapier auf das eine Vorzeichnung gesetzt wird. Gut gewässert, laufen die aufgetragenen, Eiweißlasurfarben respektlos über die vorgegebenen Grenzen der Zeichnung hinweg. Mit Pastellkreide wird auf der getrockneten Farbfläche mit vehementen Strichen die Vorzeichnung wieder bestätigt. So entsteht im Kampf zwischen freiem Spiel der Kräfte und dem Versuch, diese zu domestizieren eine große Spannung. Das Wechselspiel des Lebens zwischen Anarchie und Despotismus in einen konstruktiven Ausgleich zu bringen, in dem Vielfältigkeit und Klarheit gleichermaßen zum Tragen kommen, das ist mein Weg. Dabei lässt sich die Geschwindigkeit des Lebens nicht aufhalten. Meine Zeichnungen sind immer von der Dynamik des Lebens geprägt.