Februar 2013

2013-02-28 18:05 von Paul Sachse

Versuchte Kunstzensur in Kuppenheim

Am Mittwoch den 13. Januar wurde die Ausstellung „VOR ORT / ACHTFACH “ in Rastatt eröffnet. Ausgestellt ist unter anderem eine Arbeit des Kuppenheimer Malers und Grafikers Paul Sachse, mit dem Titel „die Kubbener Waschschissel„. Die Bildinstallation setzt sich schnörkellos mit der noch immer Konflikt beladenen Aufarbeitung des Holocaust auseinander. Ein Teilaspekt dieser Arbeit bezieht sich auf konkrete Vorgänge in seiner Heimatstadt Kuppenheim. Noch am Abend der Eröffnung intervenierte der Kuppenheimer CDU Stadtrat Leopold Hlubek sehr wortgewaltig, im Beisein des Künstlers, gegenüber dem anwesenden OB der Stadt Rastatt Jürgen Pütsch CDU. Am folgenden Tag erschien Bürgermeister Mußler aus Kuppenheim beim Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle, Peter Hank. Er konfrontierte diesen mit der Behauptung alle Kuppenheimer seien durch diese Machwerk beleidigt und drohte ihm damit, dass das Folgen haben werde. Herr Hank verwies auf den Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Kunst garantiert und eine Zensur ausdrücklich untersagt. Ordnungsgemäß musste der Galerieleiter einen Aktenvermerk über diesen Vorfall anfertigen und an den OB weiterleiten. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet jene Kommunalpolitiker, gegen die Ausstellung des Kunstwerkes interveniert haben, die sich neben anderen einer würdevollen Aufarbeitung der Vergangenheit immer wieder in den Weg gestellt haben. Wenn die Kunst nicht durch Art.5. des Grundgesetzes geschützt würde, müsste man annehmen, dass der Bürgermeister von Kuppenheim und Teile des Gemeinderates die Arbeit des Künstlers Paul Sachse verbieten lassen würden. Es wären die besten Badener Kollegen, einst als entartet verfolgt, denen er sich als verbotener Künstler anschließen könnte.