Die Bühne

Die Bühne, ein Raum, nicht immer, aber häufig größer und tiefer als ein Schaufenster, lässt sich dennoch nach ähnlichen Grundregeln gestalten. So war es kein ungewöhnlicher Weg vom Schaufenstergestalter zum Bühnenbildner. Zehn Jahre lang war die Hamburger Formation Theater N.N. unter der Leitung von Dieter Seidel mein Betätigungsfeld. Für die Gestaltung des Erscheinungsbildes, der Plakate, des Bühnenbildes und der Kostüme, war ich verantwortlich engagiert. Dabei ging es nicht nur um den Entwurf und die Delegierung an die verschiedenen Ateliers und Werkstätten. Ein relativ kleines Ensemble und ein relativ schlankes Budget machten es erforderlich, selbst mit Hand anzulegen.
Schon im ersten Lehrjahr war unser vorgegebenes Motto: Dem Dekorateur is nix zu schwör! Frei nach diesem Motte war vom Schweißen bis zum Pailletten aufsticken alles professionell möglich. Die Entwicklung eines minimalistischen, aber dennoch detailversessenen Erscheinungsbildes, das sowohl den dichten Inszenierungen des Perfektionisten Dieter Seidel als auch der stets angespannten Haushaltslage Rechnung trug, führte bald zum anerkannten Markenzeichen des Theaters N.N.
Durch innovative Improvisation sowohl im Spiel als auch in der Gestaltung wurde das Gespann Sachse-Seidel bald ein erfolgreiches Team, das immer wieder sein Publikum und die Theaterkritiker mit dem Beweis überraschte, dass Qualität auch mit kleinen Budgets möglich ist. Die Inszenierungen fanden in verschiedenen Hamburger Häusern statt. Dazu gehörten das Theater im Zimmer, die Hamburger Kammerspiele, das Ernst Deutsch Theater, das Theater in der Basilika, die Freilicht Bühne am Kap Arkona auf Rügen und die eigene Bühne auf dem Güterbahnhof in der Harkortstraße. Alles hat seine Zeit und so gingen wir nach sehr schönen und zum Teil legendären Produktionen wieder unsere eigenen Wege. Im Anschluss übernahm mein Freund und Kollege Frank Radmacher für viele Jahre erfolgreich den gestalterischen Bereich.