Das Motiv für meine erotische Kunst

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Und Eva sprach zur Schöpferin der Welt: „Das ist ja alles ganz schön hier, aber etwas langweilig ist das Paradies schon!“ Das muss die Göttin sehr verärgert haben, denn sie schuf Adam und schenkte ihn Eva! Dass diese Variante der Schöpfungsmythologie mit den biologischen Fakten eindeutig besser zu vereinbaren ist, muss jeden Priester bitter schmerzen. Der Embryo ist tatsächlich zunächst einmal generell die Embryo !  Erst zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche entwickelt sich ein Teil der Embryonen durch einen Hormonschub in die männliche Richtung.  Also, da kann der Papst in der cappella sistina toben wie er will, die Mullahs können auf den Minaretten jodeln, was das Zeug hält, und die Rabbis können sich vor Wut die Locken aus den Haaren ziehen. Dat ännert rain garnix.... Der, die oder das Gott hat Eva zuerst gemacht. Dann hat er, sie, es  eine Kopie von Eva geformt, hat die Klitoris etwas lang gezogen, je ein Ei in eine Schamlippe gestopft und fertig war der Kerl. Dass ihm das bis heute auf den Zeiger geht, wird durch die Kolportierung der verrücktesten Geschichten und Gerüchte deutlich. Die Behauptung, Gott hätte Eva aus einer Rippe des Adam geformt, führte z.B. dazu, dass im Süddeutschen von einer wehrhaften Frau gesagt wird : „Oh Jesses Marrie, sell isch e bees Ripp!“ Das Bedürfnis des Menschen in der Vergangenheit, vor allem das des Mannes, seinesgleichen   in Bild und Skulptur darzustellen, können wir, auf Grund archäologischer Funde bis auf ca. 32 000 Jahre zurückverfolgen. Neben der Feuerstelle eines Lagerplatzes bei Stratzing-Galgenberg in Niederösterreich, wurde eine auf blaugrünen Kiesel geritzte nackte Tänzerin gefunden.  Über die Bedeutung dieser Darstellung tanzender Mädchen, üppiger Akte und zahlreicher Zeichnungen weiblicher Genitalien, wird wohl so lange gestritten werden, bis der schriftliche Hinweis eines Steinzeitchauvis gefunden wird : „Eva ist so ein geiles Weib, dass ich sie am liebsten den ganzen Tag.....!“

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Da dies vermutlich ausgeschlossen werden kann, bleibt es eine sehr wahrscheinliche Annahme, dass, neben den fruchtbarkeitsrituellen Funktionen, derartige Abbildungen auch lustbetonten Motiven zu verdanken sind. Sowohl naturalistische, künstlerisch hochwertige Darstellungen verschiedener Sexualpraktiken, wie die symbolhafte Darstellung der Vulva und des Phallus machen einen noch sehr ursprünglichen Umgang mit Nacktheit und Erotik deutlich. Interessant sind auch verschiedene beidgeschlechtliche androgyne Darstellungen, deren Funktionen noch nicht erklärbar sind.  Der Steinzeitadam hatte wie es scheint  schon vom Apfel abgebissen, aber noch nicht zu Ende verdaut, so dass die Erkenntnis: “Jesses Gott, ich bin jo naggich!“, noch nicht in sein Bewusstsein vorgedrungen war. Auch wenn unter dem Mikroskop noch die Ganzkörperbehaarung nachzuweisen ist, zählt der Mensch, neben Nashorn, Nilpferd, Elefant, Wal und einigen anderen, zu den wenigen nackten Säugern auf dem Planet Erde. Nicht nur über die Ursache des Haarausfalls streiten sich Evolutionsbiologen.  Die Herkunft des Menschen, die Ursache für seinen aufrechten Gang und die Ursache für seine Nacktheit sind heute, von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert,  heftiger umstritten, als zu Darwins Zeiten. Da findet man hitzige Debatten zwischen Wissenschaftlern, Kurioses verzapft von Pseudobiologen und Durchgeknalltes  von amerikanischen Bibelfanatikern. Von amüsant bis nicht ungefährlich ist alles zu finden. Die Vertreter der Savannen-Hypothese z.B. gehen davon aus, dass die Vorfahren der heute lebenden Menschen vor rund 500.000 Jahren den aufrechten Gang für den besseren Überblick im hohen Gras und Gebüsch benötigten und in Folge der Nutzung des Feuers und des Aufkommens der Kleidung allmählich ihre Körperbehaarung, mit Ausnahme der Kopf-, Achsel- und Schambehaarung, verloren. Einige gehen davon aus, dass Exemplare mit minimierter Behaarung wegen des geringeren Parasitenbefalls sich besser entwickelten.

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Nachdem festgestellt wurde, dass in jenen Savannen, die fossile Funde preisgaben, vor 500. 000 Jahren gar keine Savannen, sondern Fluss- und Waldlandschaften waren, wurde die Wasseraffentheorie entwickelt. Sie geht davon aus, dass der Mensch eine aquatile, also eine im Wasser lebende, Entwicklungsphase hinter sich hat, in deren Verlauf er sein Fell als ungeeignet abgelegt haben soll. Auch wenn es verblüffende Argumente für diese These gibt, so scheint sie mir doch mit Recht sehr umstritten zu sein.  Eine dritte Variante ist das Watt- Affen- Modell, das vor allem den aufrechten Gang erklären möchte. Biologen haben beobachtet, dass Affen, die sich alle viergliedrig fortbewegen, den aufrechten Gang einnehmen, sobald sie an Seeufern oder Flüssen durchs Wasser waten. Das Leben in Wassernähe und die entsprechenden Jagdmethoden, könnten also ebenfalls eine Erklärung für den aufrechten Gang des Menschen sein. Da der Mensch stehen, laufen, rennen, klettern, hangeln, schwimmen, tauchen und außer fliegen noch vieles mehr kann, sich aber keine Berg-Baum-Wasserrassen oder ähnliche entwickelt haben, muss es andere Erklärungsmuster für das eine oder andere Phänomen beim Menschen geben. Lassen wir also den klugen Köpfen dieser Welt noch etwas Zeit, es gibt ohnehin Fragen mit dringenderem Klärungsbedarf. Darwins Ansatz, dass die Behaarung zu den primären Geschlechtsmerkmalen gehört (Männer sind stärker behaart als Frauen) ist, trotz vernichtender Kritik an seiner Evolutionstheorie, immer noch nachvollziehbar. Wobei die Amis die Welt auch dahingehend neurotisiert haben, dass, gesundheitliche Schäden ignorierend, jede animalische Erinnerung ausgerissen oder weg geätzt werden muss, um als zivilisiert zu gelten. Mit oder ohne Free Hair Systems,  die Nacktheit und die Scham sind Blutsverwandte. Die Scham soll unter anderem auch durch den aufrechten Gang und den Wegfall der Brunftsperre entstanden sein. Das klingt einleuchtend. Fehlende Behaarung und aufrechter Gang haben die Geschlechtsmerkmale entblößt. Die Dauerläufigkeit wenn es funkt, besonders sichtbar beim Mann, hat wohl ein Zusätzliches dazu getan, dass das menschliche Wesen, mit zunehmendem Bewusstsein, eine Schamhaftigkeit entwickelt hat.

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Dass allen Kulturen das Schamgefühl bekannt ist, wird als Fakt vorausgesetzt. Aber, wie fast alles beim Menschen einen schier grenzenlosen Variationsreichtum aufweist, so verhält es sich auch bei der Schamgrenze. Während bei Naturvölkern die Frau unter Umständen nur eine Kordel um die Hüfte trägt, ohne die sie sich aber entblößt fühlt und schämt, muss es in islamischen Kulturen unter Umständen sogar die Ganzkörperbedeckung durch die Burka sein. Dazwischen ist, je nach kulturellem bzw. religiösem Hintergrund, alles möglich. Bei allen patriarchalischen Zivilisationen ist allerdings gleichermaßen auffällig, dass die männliche Schamgrenze weit weniger einengend ist. Um eine Erklärung dafür zu finden, muss ein Blick zurück in vorzivilisierte Existenz der Menschen geworfen werden. Unter anderem, auf Grund der bereits erwähnten frühzeitlichen Kunstwerke, besteht die Vermutung, dass der Mann sich der Mitverursachung einer Schwangerschaft noch nicht bewusst war, so dass diese, als von Fruchtbarkeitsritualen abhängig, zumindest durch diese beeinflussbar,  betrachtet wurde. Eine Veränderung der Geschlechterrollen und des Schamverhaltens scheint u.a. eingetreten zu sein, als die Menschen vor ca.10 000 Jahren begannen, Tiere zu domestizieren und die Verbindung zwischen Sex und Fortpflanzung erkannt haben. Mit zunehmender Zivilisation wurde aus der bloßen Schutzfunktion der Bekleidung eine Schambarriere  einerseits, ein Körperschmuck und  ein Statussymbol andererseits. Parallel zur Scham und zur Bekleidung gab es aber in allen Kulturen entsprechende Formen der Schamlosigkeit und Nacktheit und es gab ein stetes, oft heftiges Ringen, um deren Verhältnismäßigkeit. Auffällig ist, dass zwischen der Veränderung der Geschlechterdominanz und der einschränkenden Regelungen der weiblichen Nacktheit, eben eine wesentliche Verbindung besteht.

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Vor ca. 6 - 4 Mill. Jahren trennen sich die Evolutionslinien von Menschenaffen und Hominiden. Vor rund 2,5 Mill. Jahren beginnen die Frühmenschen primitive Werkzeuge zu benutzen und Fleisch zu essen. Vor ca. 500 000 Jahren tauchte der Neandertaler auf. Seit 200 000 Jahren gibt es den modernen Menschen. Seit etwa 35 000 Jahren betätigt sich der Mensch auch künstlerisch. Erst seit etwa 10 000 Jahren siedelt der Mensch an festen Standorten und entwickelt Zivilisationen. Bei der ursprünglich nomadischen Menschheit, wurde erst im Zusammenhang mit dem sesshaft werden verschiedener Stämme auch das Anhäufen von Eigentum möglich. Eigentum weckt Begehrlichkeiten und führt zu Verteilungskämpfen. In diesen Kämpfen erlangte der Mann, als Beschützer der Alten, der Kinder, der schwangeren, der gebärenden und der stillenden Frauen, eine wesentlich größere Bedeutung. In dieser Phase wurde die Verletzlichkeit der Frau einerseits, die Fähigkeit des Mannes, die eigene Art zu töten andererseits, immer deutlicher. Der „Machtanspruch“ stieg mit der Erkenntnis des Zusammenhanges von Zeugung und Geburt. Die Frau verlor zunächst ihre dominante Stellung, verlor dann immer mehr an Selbständigkeit und wurde allmählich zum Eigentum des Mannes. Im Text der zehn Gebote wird die Frau endgültig eingereiht in die Besitztümer des Mannes und nach dem Haus erst an zweiter Stelle genannt.  Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört ! (Die Zehn Gebote im Tanach Exodus 20,2-17 )   Gehen wir nur von der 200 000 jährigen Entwicklung des modernen Menschen aus, dann hat der Mann in nur 0,5 % dieses Entwicklungszeitraumes die absolute Dominanz an sich gerissen.

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Im Verlauf dieser rasanten Entwicklung versuchte er u.a. durch Schamregeln sein Eigentum vor den begehrlichen Blicken anderer Männer zu schützen. Das Bedürfnis, die eigene Frau vor den Blicken der Rivalen zu bedecken einerseits und das damit einhergehenden Bedürfnis jede sich bietende Möglichkeit zu ergreifen auch andere Frauen unbedeckt sehen zu können, ist nur ein scheinbarer Widerspruch. Es ist, juristischer, moralischer und kultureller  Bestandteil der Zivilisationsgeschichte. Von den ersten Anfängen bis heute. Ein nicht unwesentlicher Teil der Maler aller Epochen verdiente sich sein Geld vor diesem Hintergrund. Kein Vorwand war absurd genug, den nackten Körper einer Frau abzubilden. In der Regel kamen nackte Frauen in der Kunst als Göttinnen oder andere heilige Figuren daher. Bei aller Beschränkung der Nacktheit war in den Hochkulturen der Perser, Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer das Verhältnis zum nackten Körper noch relativ unverkrampft. Barbusigkeit galt nicht als anstößig.  In der ägyptischen Gesellschaft war Nacktheit nicht unüblich. Im Alten- und im Mittleren Reich (2780 -1680 v. Chr.) trugen Frauen häufig sehr kurze Röcke und tanzten barbusig, oft sogar ganz nackt, abgesehen von dem Hüftgürtel und eventuellen Schmuckstücken.  Im Alten Testament ist Nacktheit ein Zeichen der Armut, oder eine Schande für Kriegsgefangene. Sie gilt aber nicht als schuldhaft und wird auch als prophetisches Zeichen verstanden und dabei positiv gewertet, dennoch ist sie im orthodoxen Judentum bereits verpönt. Bei den Griechen war die Nacktheit den Männern vorbehalten. Bei Frauen galt sie als anstößig. Sport wurde nackt, ohne hinderliche Kleidung, betrieben. Die Gymnastik, die Ausbildung des Körpers und sportliche Wettkämpfe fanden zu  Ehren der Götter statt. Nur in Sparta trieben auch die Mädchen Sport. Von  den Männern getrennt, aber ebenfalls nackt.

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In der hohen Kunst der alten Griechen gab es erkennbar deutliche Regeln zur Nacktheit. Frauen waren meist ganz oder teilweise bekleidet. Die Darstellung der Vulva war tabu, während der Penis unter Auflagen dargestellt wurde. Er durfte weder erigiert, weder mit sichtbarer Eichel noch in realistischer Größe dargestellt werden. Dass Männer, der Knabenliebe frönend, meist kleinere Ausführungen bevorzugten, liegt auf der Hand. Sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern gab es eine parallele Kunstform  pornographischer Darstellungen.  Bei den Römern wurde in den Thermen nach Geschlechtern getrennt – nackt gebadet. Gladiatoren kämpften ganz oder teilweise nackt. Im eroberten Griechenland blieb die Nacktheit bei den Olympischen Spielen fraglos erlaubt.  Römische Schriftsteller schildern, dass sich die Germanen durch gemeinsame Bäder in Flüssen und Seen abhärten und kleine Kinder teilweise nackt aufwachsen.  Die Kelten, wohl ganz hart gesottene, sollen sogar nackt gegen die Römer gekämpft haben. Aber mit den Christen ist dann Schluss mit lustig. Sie beenden den ca. 800 Jahre alten Körperkult der Olympischen Spiele, und unterbinden  die Nacktheit wo immer sie bis dahin üblich war. Christliche Bilderstürmer hacken den griechischen Skulpturen die Pimmel ab und wo sie in den nächsten 1600 Jahren auftauchen, da machen sie den Menschen auf unglaublich blutrünstige Art und Weise klar, dass sie sich nackt gefälligst zu schämen haben. Obwohl im alten und im neuen Testament nicht als schuldhaftes Handeln beschrieben, wird, schon in der jüdischen Tradition, Nacktheit als empörend betrachtet. Und als kleine Randbemerkung zum Thema Konvertiten :  Paulus der einstige Römersöldner, verlangte von den Frauen ein Kopftuch zu tragen. Im 1.Brief an die Korinther, Kapitel 11, Vers 5  schreibt er: ''Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt.''

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In Holland soll es unter Hinweis auf Paulus noch heute Kirchen geben, in denen nur Frauen mit Kopfbedeckung zum Gottesdienst zugelassen sind. Und wer von unseren außerirdischen Gästen glaubt, wir Menschen seien nicht auch noch zu einer Steigerung derart abstruser Spielregeln fähig, der unterschätzt die Kreativität unserer Spezies. Seit ca. 1400 Jahren ist es einem erheblichen Teil der Menschheit untersagt, die Lebewesen dieser Erde bildlich darzustellen. Eine Diskussion um die Nacktheit bzw. die Schönheit des nackten menschlichen Körpers in der islamischen Kunst findet also nur deshalb nicht statt, weil die Darstellung beseelter Wesen ganz generell verboten ist. Die Nachahmung des göttlichen Schöpfungsaktes wird als Gotteslästerung betrachtet.  Zweifellos hat die islamische Ästhetik einen ganz besonderen Zauber entfaltet, aber auch hier gilt für mich der Grundsatz : Ich achte den Menschen, aber nicht die Autorität. Wer mich zu zwingen droht, dem gehört, ganz gleich auf welche Mythologie er sich berufen mag, von ganzem Herzen mein Widerstand. Religionen waren und sind die Grundlage eines 10 000 Jährigen Bürger- bzw. Männerkrieges auf unserem Planeten.  Geht nach Hause, geht in eure Andachtshäuser, betet, bis euch die Litaneien wieder aus den Ohren kommen, geht nackt oder verhüllt, glaubt an welchen Gott auch immer ihr wollt, aber die Straße, das Land, die Welt gehört uns allen. Wer diese Menschenregel verletzt, der muss mit Sanktionen rechnen. So würde ich sprechen, wenn ich Weltkanzler wäre. Aber da ich es nicht bin, wende ich mich wieder der kleinen christlichen Weltsicht um 400 n.Ch. zu.  Die Beherrschung des Sexualtriebes wird zur zentralen moralischen Forderung erhoben und Verstöße in jeder Form werden zunehmend dämonisiert. Die angedrohten Höllenqualen für unkeusches Verhalten werden zum Eldorado für SM-Freaks und zum Albtraum für jeden aufrecht Gläubigen.

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Mehr als in allen anderen Kulturen muss nun die Kunst im Christentum den Umweg über die Heiligen oder den Teufel nehmen, wenn der menschliche Körper entblößt dargestellt werden soll. Die Scham beider Geschlechter wird stets mit Stoff oder einem Feigenblatt bedeckt. So getarnt umgehen Maler, Bildhauer, Käufer und Betrachter den Vorwurf ein Lustmolch zu sein.  Die Scheinheiligkeit dieser dürftigen Bedeckung findet sich noch heute in unserem Sprachgebrauch wieder. Wenn jemand einen offensichtlichen Regelverstoß begeht und ihn erkennbar zu verbergen trachtet, dann nutzt man, für diesen missglückten Tarnversuch, den Begriff des Feigenblattes. Michelangelos sieben jährige Arbeit an der Ausgestaltung der Sixtinische Kapelle endet mit einem Skandal. Er hatte, wo immer es nötig gewesen wäre, auf dieses Feigenblatt verzichtet. Noch vor seinem Tod 1564 wurde von Daniele da Volterra damit begonnen, Tücher über die nackten Tatsachen zu pinseln. Das brachte ihm den Spottnamen Braghettone (Höschenmaler) ein. Was zunächst aber ein Sakrileg zu sein scheint, hat wohl Michelangelos Werk gerettet, denn aberwitzige Berater von Papst Pius IV. hatten vor, das sündhafte Fresko durch Übermalung vollkommen zu vernichten. 1980 beginnen die bombastischen Restaurationsarbeiten, in deren Verlauf die Tücher wieder entfernt werden, nicht ohne dass der Papst Johannes Paul II. (1978-2005) , rein zufällig zu jener Zeit, die Nacktheit aus katholischer Sicht neu definiert. „Weil Gott ihn geschaffen hat, kann der menschliche Körper nackt und unbedeckt bleiben und bewahrt unberührt seinen Glanz und seine Schönheit. Sexueller Anstand kann also nicht einfach irgendwie identifiziert werden mit der Verwendung von Kleidung, noch Schamlosigkeit mit der Abwesenheit von Kleidung und totaler oder teilweiser Nacktheit....“Diese geradezu revolutionäre Sichtweise wurde  damals kaum zur Kenntnis genommen. Immerhin hat sie uns die Schönheit der Fresken von Michelangelo zurückgegeben. Ein fast in Vergessenheit geratener, für die Renaissance  aber dennoch bedeutender Bildhauer, von dem Albrecht Dürrer sagte, dass er keinen besseren je sah, soll hier nicht unerwähnt bleiben.  Conrad Meit

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Er wandte sich, noch ungewöhnlich zu jener Zeit, auch weltlichen Motiven zu. Bemerkenswert ist die sinnliche Darstellung des menschlichen Körpers, die an antike Skulpturen erinnert. Adam und Eva vom Feigenblatt befreit, macht Conrad Meit auch deutlich was hinter der Botanik verborgen werden sollte. Seine Lucretia  und seine Judith lassen ebenso jede störende Schamhaftigkeit vermissen. Wobei letztere die Illusion nährt, als sei sie tatsächlich aus Fleisch und Blut. Er war in dieser  Hinsicht seiner Zeit so weit voraus, so dass er wohl wissentlich in Vergessenheit geraten wurde.  Sofern Nacktheit als schön empfunden wird, sind Nacktheit und Schönheit keineswegs per se eine Einheit. Schönheit, ist ein subjektiver Begriff, den die kreativen Menschen durch alle Zivilisationen hindurch zu objektivieren versuchten.  Je komplexer sich das zu beurteilende Objekt darstellt, umso schwieriger ist es, allgemein gültige Kriterien zu finden, den Begriff Schönheit mit Inhalt zu füllen. Der Mensch ist wohl in diesem Zusammenhang das komplizierteste Beurteilungs-und Gestaltungsobjekt. Proportionen und Symmetrie waren schon sehr früh entwickelte Kriterien und dennoch war das, was in unterschiedlichen Epochen als schön empfunden wurde, von weit mehr als nur den Proportionen und der Symmetrie abhängig. Darüber hinaus waren die Verhältnisse der Proportionen nicht unumstritten. Der Philosoph Edmund Burke (3) schreibt :  „ sicher lassen sich jene Proportionen an hübschen Körpern finden- aber ebenso sicher auch an hässlichen....... und ich weiß nicht einmal, ob sie nicht an manchen Körpern, die zu den schönsten gehören, gerade am wenigsten exakt vorhanden sind. Man mag beliebige Positionen für alle Teile des Körpers festsetzen- und ich garantiere dafür, dass ein Maler, der sich an alle halten kann wie an die Offenbarung selbst und trotzdem....eine äußerst hässliche Gestalt zustande bringt.“ Wie sehr die Verhältnisse der Proportionen, dessen was als dazustellendes Ideal betrachtet wurde, von soziokulturellen (4) Faktoren beeinflusst ist, zeigen die folgenden zwei Beispiele.

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Die vor ca. 25 000 Jahren geschaffene „Venus“ von Willendorf entstand zu einer Zeit, da die Fettleibigkeit der klimatischen Bedingungen wegen eine Schutzfunktion besaß. Es handelt sich also um eine Frau, die den Anforderungen jener Tage körperlich gewachsen war. Die unübersehbare Scheide deutet auf die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Zeugung und Geburt von Nachwuchs hin. Der große Busen garantierte genügend Nahrungskapazität für die Aufzucht der Nachkommen. Sie garantierte also, abgesehen vom gesicherten Gruppenstatus und dem sicher auch damals schon wahrgenommenen Lustgewinn, auch und vor allem den Fortbestand der Sippe. Was gesund und nützlich war, beeinflusste die Verhältnisse der durchaus stimmigen Proportionen, die der Künstler als „schön“ empfunden hat.  Als „Gegenentwurf“ die zur Kunstfigur stilisierte Twiggy. Der schmächtige Körper, in einer Zeit des Wohlstandes und des Nahrungsüberflusses, war ein Zeichen für den Luxus, sich nicht kraftvoll für ein Leben voller Arbeit und Entbehrung vorbereiten zu müssen. Der  androgyne Körper stand mit seiner Negierung der Geschlechtsunterschiede, im Zeichen der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das Fehlen von erotischen weiblichen Körpermaßen war auch Ausdruck für die Verweigerungshaltung  der Frau. Sie wollte dem Mann zukünftig nicht mehr als „Lustobjekt“ und „Gebärmaschine“ zur Verfügung stehen. Im Wissen um die vieldiskutierte Überbevölkerung war die Frau als fruchtbare Mutter auch nicht mehr vonnöten. Die vorpubertäre Ausstrahlung war darüber hinaus ein Signal, dass die einst Krieg führende ältere Generation einer naiv verspielten Jugendgeneration weichen sollte.  So wurden die in sich stimmigen Proportionen in ganz anderen Verhältnissen zum Schönheitsideal einer anderen Zeit.  Was also als schön bzw. als Schönheit empfunden wird, bleibt, bei allen Versuchen eine übereinstimmende Beurteilungsgrundlage zu schaffen, höchst fragil. Kulturelle Werte, Zeitgeist und individuelle Empfindungen sind ständigem Wandel unterworfen. Jeder kennt die Gefühle beim Anblick alter Fotos. Verwundert betrachtet man das eigene Äußere vor Jahr und Tag und amüsiert sich über das, was man einst als wunderschön empfunden hat. Was wirklich über die Zeiten Bestand hat, werden immer erst nachfolgende Generationen feststellen können. Das gilt insbesondere für die Kunst.

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Unabhängig vom Versuch der Schönheitsdefinition und entgegen aller Zensurbestrebungen war der nackte menschliche Körper immer ein klassisches Thema in der bildenden Kunst. Wohlgemerkt, der außerislamischen Welt, und noch hat sich daran auch nichts geändert. Der nackte, unbekleidete menschliche Körper in Zeichnung, Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur wird seit dem 19 Jahrhundert als Akt bezeichnet. Der Akt begleitet die Zivilisation in der Öffentlichkeit als Kunst und wo er tabuisiert, zensiert, oder verboten ist, findet man ihn als Pornographie im Untergrund.  Zu allen Zeiten gab es einen großen Bedarf an obszönen Illustrationen und Skulpturen. Heute haben Film und Fotographie diesen Markt übernommen. Im Zeitalter des Internet, hat sich das Angebot weitgehend der Zensur entzogen und ist weltweit in gigantischen Massen erhältlich. Die Porno-Industrie hat inzwischen eine volkswirtschaftliche Dimension. The Economist beziffert den weltweiten Umsatz auf rund 20 Milliarden Dollar im Jahr, es ist sehr wahrscheinlich aber noch wesentlich mehr.  Obwohl dieses phantasielose Gerammel alles andere als eine politische Aktivität zu sein scheint, ist es längst ein Politikum geworden.  Autoritäre Kräfte aller Couleur betrachten Pornographie als Bedrohung ihrer Ordnungsprinzipien und versuchen immer wieder zensierend Einfluss zu nehmen. Feministinnen bezeichnen die Pornographie als Kriegspropaganda im Geschlechterkrieg. Islamisten begreifen das Pornoangebot israelischer Medien als Kriegerklärung gegen die moslemische Kultur. Die verblüffend ähnlichen Zensurträume, werden aber beide Lager aus nahe liegenden Gründen nicht zu einem Antipornobündnis zusammenführen.  Während die Islamisten von der Weltherrschaft der perversen jüdischen Pornoindustrie faseln, versammeln sich derweil Nacht für Nacht die frommen Muselmanen des nahen und mittleren Ostens in Massen vor dem PC. Wie sie das pornografische Angebot nutzen, ist spekulativ, dass sie es nutzen, ist über Einschaltquoten belegbar. Am Tag sprengen sich dann wieder militante Gegner dieser gottlosen Dekadenz in die Luft, um nach einer solchen Heldentat 70 Ladies im Himmel entjungfern zu dürfen. Der Mann ist und bleibt eben eine abstruse, überwiegend schwanzgesteuerte Fehlkonstruktion, an der die Menschheit langfristig mit oder ohne Pornos zu Grunde gehen wird.

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Da bis dorthin noch etwas Zeit zu sein scheint, geht es um die Gestaltung der verbleibenden Zeit und Lebensräume. Obwohl diese Lebensräume, trotz aller Aufklärung und Pornografie immer noch von Lustfeindlichkeit, Verklemmtheit, Scham und Unwissenheit geprägt sind, lässt sich nicht leugnen, dass sich innerhalb der vergangenen fünfzig Jahre ein deutlicher Wandel der Normen und Werte in der westlichen Welt vollzogen hat.  Jugendliche, die heute aufwachsen, können, selbst wenn sie bereit sind einen Blick zurück zu riskieren, den gesellschaftlichen Wandel nicht nachvollziehen. Aus heutiger Sicht ist der 68ger Aufstand kaum noch zu verstehen. Das Beben dieses Aufstandes war ja nicht deshalb bis ins letzte Dorf zu spüren, weil da eine politisch bewusste sozialistische, antifaschistische Generation einen gesellschaftspolitischen Umsturz herbeiführen wollte. Wäre das so gewesen, dann wäre das an den Vätern blutig gescheitert. Der Mehrheit dieser Revoluzzer und Gammler ging es um die Erringung kleiner Freiheiten von großer individueller Bedeutung. Die Enge, die Verkrustung, die Borniertheit, ja auch die zum Teil ernsthaft gefährliche Lebenssituation in den 50ger, 60ger Jahren, hat ja selbst die Generation verdrängt, die sich daraus befreit hat. Meine Revolution bestand zunächst darin, in einer rosa farbenen Hose mit Blümchenmuster, aufrecht durch mein Schwarzwalddorf zu schreiten. Als ich das erste Erzieherpraktikum gemacht habe, da wurden nachts am Hamburger Hauptbahnhof zwanzig jährige Frauen ohne Begleitung von der Jugendfürsorge als minderjährige Rumtreiberinnen eingefangen und nach Schwanenwik gebracht. Das Schmuckgitter der Eingangtür des heutigen Hamburger Literaturhauses hat noch immer das Kontrollfenster, aber es erinnert nicht einmal eine kleine Gedenktafel an diese Vergangenheit.  Als vor einiger Zeit in meiner Umgebung ein 18 jähriger Junge mit seiner 16 jährigen Freundin bei seiner Mutter in eheähnlichen Verhältnissen zu leben begann, hatte ich meine Zweifel, ob das schon so sinnvoll sei. Während man mich bereits meiner Bedenken wegen in die autoritäre rechte Ecke stellen wollte, drohte den Eltern noch bis 1973 für eine solche Erlaubnis allen Ernstes eine Gefängnisstrafe wegen Kuppelei. Ein wesentlicher Grund übrigens, der zur Entstehung der studentischen Wohngemeinschaften führte.

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Die unglücklichen Jungs, die sich vor dreißig Jahren noch heimlich in der Klappe am Hauptbahnhof treffen mussten, können heute heiraten und CDU Bürgermeister werden. Prostituierte können ein Gewerbe anmelden und werden sozialversichert. Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Vorlieben dürfen sich öffentlich bekennen und in Vereinen zusammenschließen. Behinderte werden nicht mehr in geschlechtspezifischen Anstalten versteckt. Sie dürfen sich lieben und heiraten.  Am Umgang mit Minderheiten lässt es sich ablesen, wie sehr sich eine Gesellschaft verändert hat. Aber auch scheinbar äußerliche Veränderungen sind Indikatoren für einen Wandel. Während der Tourist noch in den Sechzigern von der Besonderheit der Pariser Straßencafes geschwärmt hat, gehört es heute zum Straßenbild jeder deutschen Stadt. Der Kuss des französischen Fotografen Robert Doisneau Anfang der 50er Jahre in Paris aufgenommen, wurde zum Symbol für die Befreiung von Prüderie und Bevormundung. Ein Bild seiner Zeit auf deutschen Straßen undenkbar, ist heute der Mühe nicht wert, auf den Auslöser zu drücken. Das und unendlich viel mehr, hatte noch vor dreißig Jahren zu Untergangsdiskussionen geführt, heute scheint es uns selbstverständlich. Jede Bewegung aber kennt eine Gegenbewegung und so zeichnet sich in einigen Bereichen der Versuch einer  Rolle rückwärts deutlich ab. Warten wir mit der Bezeichnung des Papstes und katholischer Bischöfe als Hassprediger, bis sie wieder zur Verfolgung sittenwidrig Lebender aufrufen. Als übelreaktionäre Verunglimpfer und Brunnenvergifter kann man sie aber bereits jetzt, mit Fug und Recht bezeichnen. Sie mischen sich wieder ungefragt auf eine Art in das Leben aller Menschen ein, das den moralischen Appell, den will ich ihnen zugestehen, bei weitem überschreitet. Künstler mangelnder Gottgefälligkeit zu bezichtigen, Freiheitsrechte Homosexueller zu diffamieren, demokratische Parteien wegen deren Sexualmoral für unwählbar zu erklären, Apotheker aufzufordern zugelassene Medikamente aus sittlichen Gründen nicht auszuhändigen, demokratiefeindliche Putschistenhelfer unisono selig zu sprechen, das hat in säkularen Demokratien nichts zu suchen.

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Die lautstarken, zum Teil schon aggressiven Aktionen der katholischen Kirche sind bei den Protestanten noch nicht zu erkennen, aber die Speerspitze einer modernen aufgeschlossenen Kirche sind sie auch schon lange nicht mehr.  Auf der Fahrt nach Rügen faszinierte mich eine große Backsteinkirche und ich legte einen Zwischenstopp ein. Es war, wie sich herausstellte, das Münster von Bad Doberan. Die Klostergründung durch die Zisterzienser hatte vor 829 Jahren gravierende Folgen für die Entwicklung Norddeutschlands und 824 Jahre danach  für mich. Es war früher Morgen, ein wenig kühl. Das Gras vor der Kirche war noch feucht. Ich war weit und breit der einzige Mensch, aber die quietschende Tür war bereits aufgeschlossen. Bei meinem ersten Rundgang fand ich die Grablege der Loriot Vorfahren in der von Bülow Kapelle. Bei aller Freude, die er mir bis an mein Ende bereiten wird, war dies aber nicht die entscheidende Entdeckung. Der doppelseitige Kreuzaltar aus der Zeit um 1360/70 war es, er versetzte mich in atemloses Staunen.  Nicht, weil der unter der Mitwirkung des norddeutschen Meisters Bertram von Minden entstandene Altar europaweit das monumentalste Werk seiner Art und Zeit sein soll, sondern wegen einer relativ kleinen Reliefschnitzerei an seiner Westseite. Der Sündenfall. Eva und Adam stehen unter dem Apfelbaum mit Schlange. Es wäre ein wenig spektakuläres Motiv, wenn  nicht beiden die Feigenblätter fehlen würden und zu allem Überfluss Eva eine durchaus einladende Scheide zur Schau stellen würde. Nur wer die katholische Gehirnwäsche durchlebt hat, weiß dieses Bild in einer mittelalterlichen Kirche wirklich einzuordnen. So etwas gibt es auf der ganzen Welt nicht noch einmal, es sei denn, es wird auch anderen Orts zu einem solchen Geheimnis gemacht. Als ich Wochen später einem Künstlerfreund meine sensationelle Entdeckung vorführen wollte, war die Verblüffung groß.  Von Eva und Adam waren nur die Oberkörper zu sehen, der attraktive Rest verbarg sich hinter einem Türchen, das mit goldenen, gotischen Ornamenten versehen war. Das entblößte Pärchen ist in keinem Buch und auf keiner Webseite zu finden. Es wird nicht erwähnt und nicht erklärt, obwohl die Kirche seit der Reformation unter evangelischer Regie geführt, wird schamhaft verborgen, was sich die geilen Mönche da einst haben schnitzen lassen.

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Von jenem Tag an habe ich nicht nur den Akt ins Zentrum meiner Arbeit gestellt. Im Rückgriff auf alte Höhlenmalereien habe ich den Penis und die Vulva ohne jede Umschweife zum Mittelpunkt gemacht. Dem Umstand, dass die primären Geschlechtsmerkmale die Menschheit, unter jeder Form kultureller Zwangsjacken, im positiven Sinne, bis aufs Blut gereizt haben, werde ich Rechnung tragen. Das Bedürfnis der schamlosen Betrachtung des begehrten Geschlechtsteiles ist ein substanzielles Recht jedes Menschen und ein wirklich durch und durch genüssliches Erlebnis. Alles, aber auch wirklich alles, in Gottes Schöpfung bzw. in der evolutionären Natur betrachten wir mit Recht voller Faszination im Detail.  Gehen wir einmal davon aus, es gibt einen Gott. Gehen wir weiter davon aus, dieses Genie hat in einer winzigen, von ihm geschaffenen Urmasse, eine Explosion, den so genannten Urknall, veranlasst. Dann hat er ca. 13,7 Milliarden Jahre lang beobachtet wie sich sein Werk weiter entwickelt. Zeit:  0 Sekunden  Nach dem Urknall ist es unendlich heiß. Zeit: 10-43 Sekunden danach. Die Schwerkraft ist bereits flügge geworden und hat sich von den anderen Kräften getrennt.  Es bilden sich Elektronen, Neutrinos und das Ungleichgewicht, das dafür sorgen wird, dass später die Materie über  die Antimaterie siegt. Erst jetzt bildet sich eine Eigenschaft heraus, die wir als Masse bezeichnen. Zeit:  ca. 3 Minuten danach. Die ersten Atomkerne bilden sich aus den Neutronen und Protonen. Zeit:  ca. 300.000 Jahre danach. Es bilden sich räumliche Unregelmäßigkeiten, aus denen später Galaxien und Galaxienhaufen hervorgehen werden. Zeit: ca. 1 Milliarde Jahre nach dem Urknall  Atome und Atomkerne finden sich zu Sonnen zusammen und verschmelzen. Es bilden sich Galaxien und Planenten Zeit:  ca. 8 Millarden Jahre nach dem Urknall  Also vor ca. 5 – 4,5 Mrd. Jahren entsteht die Erde zusammen mit der Sonne und den anderen Planeten aus einer riesigen Gas und Staubwolke. Zeit:   vor ca. 3,5 Mrd. Jahren: Erste lebende Zellen, die biologische Evolution beginnt. Zeit:  vor 1 Mrd. Jahren: Die Entwicklung der Pflanzen und Tiere beginnt. Zeit:  vor 500 Mio. Jahren: Schon eine große Vielfalt wirbelloser Tiere lebt ausschließlich im Wasser. Zeit:  vor 400 Mio. Jahren: Das Leben existiert nun auch an Land. Zeit:  vor 300 Mio. Jahren Aus Amphibien werden Reptilien. Zeit:  vor 65 Mio. Jahren: Die Dinosaurier sterben aus. Die Alpen entstehen. Zeit:  vor 25 Mio. Jahren: Entwicklung der Menschenaffen. Zeit:  vor 7 Mio. Jahren: Entwicklungslinie - Schimpansen und Menschen trennen sich. Zeit:  vor 3,5 Mio. Jahren: Aufrecht gehender affenähnlicher Vor-Mensch. Zeit:  vor 400.000 Jahren: Aus dem Homo Erectus wird der Homo Sapiens (Afrika). Der Neandertaler lebt in Europa. Zeit: vor 200.000 Jahren

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Nach dem milliardenjahrelangen Zusehen, wollte Gott endlich auch mal wieder etwas selber tun.  Er ging aus seinem Weltalllabor mitten in das Sternengewirr. Dort suchte er sich eines von den Abermilliarden Staubkörnen aus und untersuchte es etwas näher. Auf dem Staubkorn Erde fand er fast 2 Millionen Tierarten. Unter all diesen Lebewesen gab es alleine 50.000 Wirbeltierarten. Er schnappte sich aus diesem Gewühle zwei winzige Menschenaffen und sagte : Isch nenn eich jetzt Adam und Eva. Dann betrachtet er sich die zwei eine Weile und sagte: Adam wenn de die Bruscht, die Muschi und des Boboloch von der Eva agugge un afasse dust, donn is de Deifel los. Un Eva, dem Adam seu Pimmelsche un seu Boboloch wird net aguggt und net agefummelt, sunst is de Deifel los. Da waren die zwei erst mal sprachlos. Nach einer Zeit hat Adam gefragt : Jo wie soll mer dos donn mit dem Kinner griesche mache?  Gott war genervt und brüllte: Lischt us, Pimmelsche ins Dösje, en paar mol hin und her rubbelen un donn is Schluss. Un weh es macht eich Spasss, donn is der Deifel zehn mol los. Dass mer des klor is, gel. Der moderne Mensch war in der Welt. Wer glaubt, dass ein Wesen, dass in der Lage ist, solch ein gigantisches Universum zu schaffen, so ein Korinthenkacker sein könnte, dass er sich um die Nutzung der Geschlechtsorgane eines Lebewesens unter Millionen vermutlich eins unter Milliarden sorgt, der muss aus meiner Sicht dringend auf die Couch.  Zeit:  vor 10.000 Jahren: Ende der Eiszeit. Etwa 5 Mio. Menschen. Der Mensch beginnt mit der Landwirtschaft. Zeit: Heute 6,6 Milliarden Menschen plus 78 Millionen pro Jahr. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Drohung mit dem Teufel kein durchschlagender Erfolg war. Wer auch immer die Idee hatte, dass ausgerechnet die Körperregionen  verteufelt sein sollen, deren Stimulation uns das größte rauschhafte Erlebnis verschaffen kann, zu dem der Mensch ohne gesundheitliche Folgeschäden in der Lage ist, war ein Übeltäter. Mythologische und ideologische Tabus sind zutiefst menschenverachtende Unterfangen. Ihr Ziel ist es immer, Macht über andere zu erlangen. Und nur dort, wo Tabus etabliert sind, können sich kommerzielle „Tabubrecher“ unter dem Vorwand der Befreiung einnisten.  Freiheit ist stets genommen, nie gegeben! (Schiller) Bis zum letzten Tag meiner Kräfte werde ich mir in Text, Bild und Form nehmen, was ich brauche und wovon ich überzeugt bin, dass es mein Recht ist.

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