Öl Acryl

Ganz anders kommen die zwei, von mir meist pastös verwendeten, Farben Öl und Acryl daher. Sie haben ein vollkommen anderes Temperament. Sowohl gegenüber meinen anderen Farben, als auch untereinander sind sie unvergleichlich.
Ölfarbe unverdünnt, bleibt wo man sie hinsetzt und duftet. Ja sie duftet. Nach Leinöl. Ein sinnlicher Eindruck, der mich seit meiner frühesten Kindheit begleitet. Dieses enge Dorf, diese schmutzigen Bauern und Arbeiter, die einen derben Dialekt sprechen und robuste Umgangsformen pflegen und deren Bigotterie null Toleranz kennt. Zwischen den Häusern, in denen es dunkel ist, und die zum Wohnen ebenso wie für die Landwirtschaft zu klein und zu eng sind, da steht auf einer Park ähnlich angelegten Fläche, ein wunderschöner Jugendstil- Bungalow. Alles dort ist anders. Die Menschen, die dort wohnen, die Gäste, die dort ein und ausgehen, die Möbel und Teppiche. Die Wände voller Bilder, vom Hausherrn höchst persönlich gemalt. Und das Allerheiligste: Das Atelier mit diesem geheimnisvollen Duft. Das war das Tor zur Welt.
Alles ist heute anders. Die Menschen dort sind sauber und modern gekleidet. Sie sprechen einen geglätteten Dialekt und benehmen sich untadelig. Aus den Stallungen wurden helle Komfortwohnungen. Und der Bungalow mit dem verzauberten Atelier, ist gewinnbringenden Mietshäusern zum Opfer gefallen.
Aber der Duft der Ölfarbe, der blieb mir erhalten und er beflügelt mich immer wieder neu. Gemächlich lässt sie sich mischen und auftragen. Lustvoll übereinander schichten, umgraben, aufreißen, wieder abschaben und erneut platzieren. Ein Prozess der sich lange hinzieht, der Geduld und Ausdauer erfordert. Vor allem bei meiner Technik, mehrere Schichten übereinander zu legen. Das kann sich dann über Monate hinziehen, weil ich die Aushärtung einer Schicht abwarten muss, ehe ich eine neue auftrage. Vor allem bei großen Formaten kann es dann vorkommen, dass ich innerlich mit der Arbeit schon abgeschlossen habe, aber immer noch mit der handwerklichen Umsetzung beschäftigt bin.
Wieder an so einem Punkt angekommen, empfahl mir mein Farbenmichael eine neue Acrylfarbe zu testen. Acrylfarben kommen mir in den Farbtönen meist zu künstlich, zu spitz, zu laut daher. Vor allem sind sie mir in der Regel zu flüssig bzw. sinken während der Aushärtung in sich zusammen. Diese neue Farbpaste entspricht in der Konsistenz fast meiner Ölfarbe. Seit kurzem benutzte ich also, bei Bildern die “schneller“ entstehen sollen, Acryl. Aber ich muss sagen, dass ich, durch den fehlenden Geruch, die Farbe nach wie vor etwas leblos empfinde.
Öl oder Acryl, der gespachtelte Farbauftrag in Kombination mit einer harten, oft comichaften Kontur, ist eine Arbeitstechnik und ein Arbeitsstil, der in mir Ruhe und eine Art von Gelassenheit aufkommen lässt, die ich genießen kann.